Hart vs. Weich
Meine Frau und ich sind sehr verschieden. Also wirklich sehr verschieden. Man könnte sogar sagen, wir sind Gegenpole. Das war nicht immer einfach, aber in 17 Jahren Ehe gewöhnt man sich am Ende an ziemlich viele schräge Sachen. Und man lernt auch eine Menge von Menschen, die grundverschieden zu einem selbst sind. Also zumindest bilde ich mir ein und behaupte es auch, das ich in den 17 Jahren eine ziemlich starke Veränderung durchgemacht habe, und nicht mehr der Kerl bin, der ich damals war.
Ich bin mir sicher, dass meine Frau das sogar bestätigen würde, wir aber in der Ausprägung dann vermutlich wieder einmal diametral auseinanderliegen. Denn ich behaupte natürlich, dass ich mich nur zum Besten verändert habe.
Umgedreht würde ich meiner Frau attestieren, dass sie ebenfalls in den wesentlichen, von mir als störend wahrgenommenen Wesenszügen, eine positive Entwicklung gemacht hat.
Vielleicht ist das aber auch alles einfach nur der Zahn der Zeit und man entwickelt sich gar nicht im positiven Sinne wirklich weiter. Man wird einfach ruhiger, vielleicht etwas besonnener, mitunter vielleicht ein bisschen egaler und dann sind Marotten und Macken die einen sonst auf die Palme gebracht haben, plötzlich gar nicht mehr so schlimm.
Naja, wie auch immer: Kennt ihr den Song Sie liebt Techno?
Wenn nicht auch nicht schlimm, um den gehts nämlich gar nicht, auch wenn mein eigentliches Thema noch viel dramatischer ist, wie ein inkompatibler Musikgeschmack.
Es geht um Nudeln: Meine Frau mag keine harten Nudeln. Und in ihren Maßstäben ist alles, was nicht ohne Kauen auf der Zunge zerläuft hart. Das wiederum, ist für mich eine ziemlich harte Probe, weil ich vermutlich mit allem klarkomme, aber nicht mit Nudelmatsch.
Das ist ein ganz wunderbares Konfliktfeld, das uns mehrfach pro Woche am Esstisch ereilt. Bei weitem kein Streitthema und war es auch nie, aber jeder ist genervt und murmelt irgendwas Unzufriedenes über den Zustand der Nudeln, bevor man dann eben doch weiter isst.
Bevor jetzt einer mit schlauen Ratschlägen wie, dann teilt doch die Portion ... einfach die andere Hälfte kürzer oder länger kochen lassen: Wir sind wohl beide recht froh, dass die Zeiten von bei den Mahlzeiten zu berücksichtigenden Sonderwünschen für andere Mitbewohner (vulgo Kids) mittlerweile so gut wie vorbei sind. Oder anders gesagt: Da hat schlicht niemand Bock drauf. Nicht weil einem der Andere egal ist, sondern weil der tägliche Wahnsinn sowieso schon anstrengend genug ist.
Und ganz vielleicht ist da vermutlich auch auf beiden Seiten noch ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer, dass der Partner das bitteschön dann doch noch lernen wird, das Nudeln nur so und wirklich nur so (hier wahlweise zu weich oder zu hart einfügen) gehören.
Am Ende zählt aber ohnehin, das gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Und wer motzt, kocht das nächste Mal eben einfach selbst.